Flächennutzung und Flächeninanspruchnahme in Sachsen
Als »Flächeninanspruchnahme« oder »Flächenneuinanspruchnahme«, umgangssprachlich auch »Flächenverbrauch«, wird die Umwandlung von Freiflächen in Siedlungs- und Verkehrsflächen bezeichnet. Die mit der Flächeninanspruchnahme verbundenen Nutzungsänderungen gehen oft mit Eingriffen in den Boden und Beeinträchtigungen bis hin zum vollständigen Verlust der natürlichen Bodenfunktionen sowie der Nutzungsfunktion, z.B. für die Land- und Forstwirtschaft, einher.
Da Böden neben den natürlichen Bodenfunktionen und Ökosystemleistungen auch verschiedene Nutzungsfunktionen für den Menschen erbringen, stellt die Konkurrenz von natürlichen Bodenfunktionen und den verschiedenen Nutzungsansprüchen eine besondere Herausforderung dar.
Nur durch eine Reduzierung und Begrenzung der Ausdehnung der Siedlungs- und Verkehrsfläche können funktionsfähige Böden für die nächsten Generationen erhalten werden. Der vorsorgende Schutz von Böden vor Inanspruchnahme sollte vor der Rekultivierung degradierter und versiegelter Böden Priorität haben, da Böden und Bodenfunktionen nur mit großem zeitlichem, technischem und finanziellem Aufwand wiederhergestellt werden können.
Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der Fläche Sachsens wurde 2024 landwirtschaftlich genutzt. 23 Prozent der Landesfläche war mit Wald bedeckt und diente u.a. der forstlichen Nutzung. Der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche lag bei 15 Prozent. Die übrigen vier Prozent der Landesfläche bilden Gewässer, sonstige Vegetationsflächen (z.B. Heide, Sumpf) und vegetationsloses Unland (s. Abbildung 1).
Entwicklung der Flächennutzung und der Verlust von Landwirtschaftsfläche
Die Flächenanteile der verschiedenen Nutzungsarten unterliegen jährlichen Veränderungen, wobei es sich überwiegend um Nutzungsänderungen in Folge von Flächeninanspruchnahme für Siedlung und Verkehr handelt. Das Diagramm in Abbildung 2 zeigt die Veränderung der Flächenanteile der Hauptnutzungsarten für den Zeitraum 2016 bis 2024. Im genannten Zeitraum schrumpften die Landwirtschaftsfläche um 0,9 Prozent und die Waldfläche um 0,1 Prozent, während die Siedlungs- und Verkehrsfläche um 0,83 Prozent anstieg. Die Flächenneuinanspruchnahme geht somit überwiegend zu Lasten der landwirtschaftlichen Nutzfläche.
Das Diagramm in Abbildung 3 zeigt die tägliche Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche (Entwicklung der Flächenneuinanspruchnahme) sowohl als Jahreswerte (Säulendiagramm) als auch als Indikatorwerte im vierjährigen Mittel für den Zeitraum 2020 bis 2024.
Die Jahreswerte zeigen eine deutliche Schwankung. Durch die Berechnung eines vierjährigen Mittels lässt sich die längerfristige Tendenz der Entwicklung der Flächeninanspruchnahme besser erkennen. Bis 2021 (2018-2021) stieg die tägliche Flächenneuinanspruchnahme bis auf 5,4 Hektar pro Tag an und blieb auch 2022 (2019-2022) auf diesem Niveau. Bis 2024 (2021-2024) zeigt sich ein Rückgang um insgesamt 1,0 Hektar pro Tag. Dennoch liegt die Flächenneuinanspruchnahme für Siedlung und Verkehr im betrachteten Zeitraum (2017-2024) nach wie vor deutlich über dem angestrebten Flächensparziel von kleiner zwei Hektar pro Tag (Nachhaltigkeitsstrategie 2018) und ein Erreichen des Ziels bis 2030 ist unwahrscheinlich.
Eine ausführliche Erläuterung zum Nachhaltigkeitsindikator »Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche« finden Sie auf den Seiten des Umweltstatus des LfULG.
Kontakt
Kontakt
Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie
Referat 42: Boden, Altlasten
Dr. Susanne Döhler
Telefon: 03731 294-2816
E-Mail: Susanne.Doehler@lfulg.sachsen.de
Webseite: http://www.lfulg.sachsen.de