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Bodenversiegelung – Was ist das? Flächeninanspruchnahme reduzieren – Geht das?

Haben Sie sich schon einmal darüber gewundert, warum ein versiegelter Parkplatz besonders im Sommer so viel heißer als der Garten ist? Oder konnten Sie beobachten, wie das Regenwasser auf versiegelten Flächen wild zusammenläuft und sich ganze Seen darauf bilden? Auf diese und andere Fragen in Zusammenhang mit Bodenversiegelung und Flächeninanspruchnahme geben wir Ihnen gerne Antworten.

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Das Bild ein neu entstehendes Wohngebiet.
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Das Bild zeigt einen Torbogen und Häuser.

Mit offenen Augen durch die Welt gehen und die Bodenversiegelung erkennen. Den Boden bewusst erfassen, wie er den Neubau von Straßen und Gewerbegebieten, asphaltierten Parkplätzen oder neu geschaffene Wohnraumflächen am Ortsrand.

Sicher haben Sie es schon erkannt, aber welche Folgen hat die Bodenversiegelung und was genau ist das Problem?

Bodenversiegelung ist ein mehr oder weniger vollständiges Abdecken des natürlichen Bodens durch Baumaterialien. Im Zentrum von Städten kann die Bodenversiegelung große Flächenanteile betreffen und bis zu 100 % betragen. Es ist kaum Boden dort vorhanden, der Wasser aufnehmen und wieder abgeben kann. Eine kühlende Verdunstungsleistung des Bodens ist nicht vorhanden. Stattdessen speichern die Baumaterialien die auftreffende Sonnenenergie und geben sie als Wärme an die Stadtatmosphäre ab. Es heizt die Stadtatmosphäre dadurch auf, ein sogenanntes Stadtklima entsteht. Extrem heiße und trockene Tage während sommerlicher Hochdruckwetterlagen kennzeichnen diese Klimaausprägung in größeren Städten. Durch eine zunehmende Bodenversiegelung wachsen die Ausprägungen. Mehr Hitze- und mehr trockene Tage treten auf.

 Die Fläche kann nicht verbraucht werden. Fläche wird in Anspruch genommen. Unter Flächeninanspruchnahme wird die Umwandlung insbesondere von landwirtschaftlichen oder naturbelassenen Flächen in „Siedlungs- und Verkehrsflächen“ verstanden. Flächeninanspruchnahme ist damit einerseits Verlust von landwirtschaftlicher Nutzfläche und natürlichen Lebensräumen, andererseits eine Erweiterung von Siedlungs- und Verkehrsflächen. Die Flächeninanspruchnahme ist nicht gleichzusetzen mit der Bodenversiegelung. Zwar ist die Schaffung eines Neubaugebietes am Stadtrand eine Flächenneuinanspruchnahme. Der ehemals landwirtschaftlich genutzte Boden wird einer anderen Nutzung zugeführt. Die Böden dieses Neubaugebietes sind jedoch keinesfalls alle versiegelt, denn ein Teil der Bodenfläche wird als Garten genutzt.

Weitgehend verbraucht wird die natürliche Bodenfunktion. Eine Speicherung und Rückhaltung des Niederschlagswassers findet nur sehr verringert statt. Wasser wird in aller Regel von den Grundstücken des Neubaugebietes in Kanäle abgeleitet. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit wird verbraucht. Pflanzen, Tiere und Bodenorganismen verschwinden weitergehend oder sie werden ersetzt. Die Bodenfläche ist einem anderen, zumeist technischen Anspruch unterworfen. Die natürlichen Leistungen der Bodenfunktion sind kaum noch vorhanden. Aus diesem Grund ist es wichtig, die natürlichen Bodenfunktionen auch auf der Baustelle zu erhalten, indem baulichen Maßnahmen und das Befahren nur auf die notwendigen Stellen des Bauprozesses gelenkt werden.

 Tag für Tag werden in der Bundesrepublik Deutschland ungefähr 600.000 Quadratmeter Boden neu beansprucht. Die derzeit in Deutschland vorhandene Siedlungs- und Verkehrsfläche ist etwa so groß wie die Bundesländer Thüringen, Schleswig-Holstein, Saarland, Berlin, Hamburg und Bremen zusammen. Geht die Flächeninanspruchnahme so weiter, wird bis Ende des Jahres 2032 zusätzlich noch die gesamte Fläche des Bundeslandes Sachsen hinzukommen.

Was sind die Folgen?

  • Der Flächeninanspruchnahme verursacht erheblichen Beeinträchtigungen von
    Natur und Landschaft. Verlust von Naturraum für die Erholung des Menschen (auch innerorts). Eine Zerschneidung der Landschaft durch Siedlungen und Straßen.
  • Die natürlichen Funktionen des Bodens, des Wasserhaushalts und des
    Klein- und Regionalklimas werden negativ verändert. Der Lebensraum von Tieren, Pflanzen und Bodenorganismen wird vermindert.
  • Die landwirtschaftliche Nutzfläche verringert sich zusehends. Sie ist die Hauptnutzung der durch Flächeninanspruchnahme in Mitleidenschaft gezogenen Flächennutzungen.
  • Starke Aufheizung der Luft durch hohe Versiegelungsgrade. Die Luftqualität sinkt. Die Luft wird staubiger. Flächenhafter Verkehrslärm durch Verkehrszunahme auf neuen Straßen. Innerörtliches Brachfallen und Leerstand, durch Neubau am Stadtrand.
  • Verringerte Versickerungen, verringerte Wasserrückhaltung, Absenkung des Grundwasserspiegels.
  • Wirtschaftliche und soziale Folgekosten (Kosten, Steuern und Gebühren für die Strom-, Gas-, Trinkwasser- und Abwasserleitungen).

Was kann dagegen getan werden?

  • Interkommunales Flächenmanagement fördern und aufbauen: Kommunen erarbeiten das gemeinsame Flächensparen.
  • Bodenkundliche Baubegleitung: flächensparende Bauausführung auf der Baustelle.
  • Attraktive Stadtentwicklung mit Anreizen des innerörtlichen Wohnens: Schaffen von urbanen Grünflächen.
  • Brachflächenrecycling, Rückbaumaßnahmen: Integration brachfallender Gebäudeflächen in die Flächennutzungsplanung.
  • Konsequente Kompensationen der Bodenneuversiegelung durch Entsiegelungsmaßnahmen. Wiederherstellung der ökologischen Dienstleistung des Bodens.
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