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Bodenversiegelung und Flächeninanspruchnahme

Die Bodeninanspruchnahme und Umwandlung von naturnahen Böden in Flächen für Siedlungs-, Verkehrs-, Erholungs- und Gewerbeflächen nimmt im Freistaat Sachsen wie im gesamten Bundesgebiet weiterhin zu. Im Jahr 2015 erreicht die in der Landestatistik geführte Siedlungs- und Verkehrsfläche ca. 245.000 Hektar. Dies entspricht > 13% der Landesfläche. Im Zeitraum 2005 – 2015 ist die erfasste Siedlungs- und Verkehrsfläche um ca. 30.000 Hektar angewachsen. Gleichzeitig ist die Einwohnerzahl in Sachsen um ca. 220.000 Einwohner
(- 5,4%) gesunken (s. Abbildung 1).

Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Bevölkerungszahlen und der Zahlen zur Siedlungs- und Verkehrsfläche. Beide Linien laufen stark auseinander wie eine geöffnete Schere. Die baulich genutzte Fläche verläuft entkoppelt von den Bevölkerungszahlen.

Abbildung 1: Entwicklung von Bevölkerung und Flächeninanspruchnahme im Freistaat Sachsen

Die voranschreitende Flächeninanspruchnahme verursacht hohe Verluste an landwirtschaftlicher Nutzfläche und Bodenfruchtbarkeit. Es verringern sich natürliche Wasserrückhaltefunktionen, Versickerungs- und Verdunstungseigenschaften des Bodens. Durch das »Wachstum« der anthropogen geprägten Fläche verändert sich das Landschaftsbild. Die Verluste des Bodens und seiner Regelungs- und Lebensraumfunktionen  werden in Zusammenhang mit der Inanspruchnahme durch oft technische Regelungen »ausgeglichen« (Infrastruktur). Weitere Abgrabungen und bauliche Inanspruchnahmen des Schutzgutes Boden sind häufig die Folge. Der »Ausgleich« ist oft nur wenig effektiv für das Schutzgut Boden (andere Ziele), nur preisintensiv zu unterhalten (technische Folgekosten) und verringert die landwirtschaftliche Nutzfläche.

Neben einer Berücksichtigung von Aspekten wie einer Beeinträchtigung und Zerstörung der natürlichen Umweltressourcen und einer nach »außen« wachsenden Inanspruchnahme des Freiraumes stellen sich auch wirtschaftliche und soziale Forderungen nach einer Reduzierung der Flächeninanspruchnahme. Die »Reduzierung der Flächeninanspruchnahme« hat im Freistaat Sachsen eine hohe Bedeutung.

Abbildung 2 zeigt die Entwicklung der Flächeninanspruchnahme in Hektar pro Tag unter Berücksichtigung des Nachhaltigkeitszieles in Sachsen von < 2 Hektar pro Tag. Danach verläuft die in Anspruch genommene Fläche nicht nachhaltig.

Abbildung 2: Flächeninanspruchnahme und Nachhaltigkeitsziel in Sachsen.

In Sachsen existiert ein eigenes, mit dem Ziel des Bundes korrespondierendes »Flächensparziel«. Die Landesregierung hat bereits im Jahr 2009 beschlossen, die Flächenneuinanspruchnahme im Freistaat Sachsen auf <2,0 ha/Tag (Bund 30 ha/Tag) bis zum Jahr 2020 zu reduzieren. Aktuell liegt die tatsächliche Flächeninanspruchnahme weiter oberhalb dieses Zieles (s.a. Abbildung 2).

Abbildung 3 zeigt eine durch Abgrabung in Anspruch genommene Fläche. Bis zum Horizont erstreckt sich eine plane Fläche, bestehend aus aufgebrachtem Frostschutzmaterial. Sie bildet den baulichen Grund für die bevorstehende Bodenversiegelung.

Abbildung 3: Berbersdorf, Gemeinde Striegistal, ländlicher Raum. Bild vom Nov. 2011 (Quelle: LfULG Sachsen)

Abbildung 4 zeigt ein Foto der gleichen Fläche wie in Abbildung 3. Die Bautätigkeit der Bodenabgrabung und Bebauung auf der 120 Hektar großen Fläche wird gezeigt. Weit hinten schließt sich der Wald an die Baufläche an.

Abbildung 4: Berbersdorf, Gemeinde Striegistal, ländlicher Raum Sachsen. Bild vom April 2013 (Quelle: LfULG Sachsen).

 

In Abbildung 5 ist zu sehen, wie der ehemalige Acker nun ein Gewerbegebiet geworden ist. Im Foto sind im Vordergrund metallische Zäune zu erkennen. Im Hintergrund erscheint eine große Gewerbefläche mit hohen Bodenversiegelungen.

Abbildung 5: Berbersdorf, Gemeinde Striegistal, ländlicher Raum Sachsen. Bild vom April 2014 (Quelle: LfULG Sachsen).

Abbildungen 3, 4 und 5 verdeutlichen die außerörtliche Flächeninanspruchnahme insbesondere im ländlichen Raum. Mehr als 120 Hektar (>1,2 Millionen Quadratmeter) wertvolle und landwirtschaftlich genutzte Bodenfläche wurden 2011 durch gewerbliche Baumaßnahmen abgeschoben (>2 Mio. Tonnen fruchtbares lösslehmhaltiges Bodenmaterial). Sie wurden mit Frostschutz- und anderen Materialien beauftragt und wurden für die Bodenversiegelung vorbereitet. Zusätzlich sorgen neue Straßen und Wege für weitere Inanspruchnahmen und Verluste des landwirtschaftlichen Bodens. Die neu geschaffenen »Erreichbarkeiten« sind verbunden mit entstehendem und wachsendem Verkehr. Abb. 3 verdeutlicht den weiteren »Fortschritt« der baulichen Inanspruchnahme im ländlichen Raum der Gemeinde Striegistal. Die Fläche im Außengebiet wird »urbanisiert«. Die ländliche Umgebung steht im Flächennutzungswandel. Das Landschaftsbild verändert sich durch einen weithin sichtbaren Baukörper. Die natürlichen Funktionen von Boden und Landschaft werden ersetzt durch technische Regelungen u.a. der Wasserführung und -haltung sowie der Flächennutzung. In den Umgebungen werden »Erreichbarkeiten« durch neue Infrastrukturen angelegt. Weitere Flächenneuinanspruchnahmen.im Außengebiet sind festzustellen.

Die Neuinanspruchnahme im ländlichen Raum Sachsen findet vorrangig für den gewerblichen Neubau statt. Die vorhandene Infrastruktur (Bundesautobahnen und Bundesstraßen) ist häufig die gewünschte und gewählte Neubaufläche. Abseits liegende und infrastrukturell bereits erschlossene Flächen sind häufig untergenutzt und nur noch von sekundärem Interesse für eine gewerbliche Flächeninanspruchnahme.

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Trotz massiv zurückgehender Einwohnerzahlen weiten sich in Sachsen die Siedlungs- und Verkehrsflächen auf der »Grünen Wiese« aus. Z.B. weist der Landesentwicklungsplan Sachsen (2012) die Planung von >130 Ortsumgehungsstraßen auf, an denen Suburbanisierungen mit weiteren neuen Bodenversiegelungen wahrscheinlich sind. Ein Leitbild des Landesentwicklungsplans 2012 ist die »Effiziente Flächennutzung und Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme« (LEP 2012). Danach ist die Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme eine wichtige Aufgabe für die weitere Entwicklung des Freistaates Sachsen. Es werden u.a. die folgenden Handlungen verfolgt:

  • Verminderung der Neuinanspruchnahme von Freiflächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke,
  • Beplanungsgebot von Brachflächen, sofern Marktfähigkeit gegeben ist; Rekultivierung bzw. Renaturierung von Brachflächen im Außenbereich sowie von nicht revitalisierbaren Brachen,
  • Zulässigkeit der Ausweisung von Baugebieten im Außenbereich nur in Ausnahmefällen,wenn geeignete Flächen im Innenbereich nicht ausreichend vorhanden sind. Anbindung solcher Baugebiete an vorhandene im Zusammenhang bebaute Ortsteile,
  • Rückbau bzw. Zwischennutzung von leerstehender Bausubstanz einschließlich eines Leerstandsmanagements bei Dörfern mit hohem Gebäudeleerstand.

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